15. Februar 2017

Fachliteratur zum Thema Reflexion

Derzeit sind zwei Fachbücher von Jörg Friebe erschienen: Reflexion im Training und die Reflektierbar, beide erschienen im Managerseminare Verlag, Bonn. Klicken Sie auf das jeweilige Cover für weitere Informationen:

Reflektierbar - Fachbuch zur Reflexion

Reflexion im Training - Fachbuch zur Reflexion


Rezension zu beiden Büchern im Newsletter 2/2016 der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik

Reflexion über eigenes Handeln anzustoßen, zu moderieren und die Ergebnisse zu sichern ist ein wichtiger Aspekt der Hochschullehre wie auch der hochschuldidaktischen Aus- und Weiterbildung.

Wer Bildungsprozesse begleiten will, kann dies nicht tun ohne zur Reflexion anzuleiten. Gleichzeitig ist die Reflexion über das eigene Lehrhandeln von großer Bedeutung für die eigene Professionalisierung als Lehrender. So ist Reflexion Strukturmerkmal von pädagogischer Professionalisierung und Bildung gleichermaßen.

Zur Unterstützung der Umsetzung von Reflexionsarbeit in Lehre und Weiterbildung hat Jörg Friebe zwei Bände vorgelegt: „Reflexion im Training“, welcher sich ganzheitlich der Thematik annähert, und „Reflektierbar“, welcher als Methodensammlung angelegt ist.

Reflexion im Training

„Reflexion im Training“ schlägt den Bogen von theoretischen Modellen der Reflexionsarbeit bis zur konkreten Umsetzung. Das erste Kapitel widmet sich den Grundlagen der Reflexionsarbeit. Dabei wird ein umfassendes Modell der Reflexionsarbeit entwickelt und die notwendige Haltung des Lehrenden beschrieben. Im Modell wird die Relevanz von Reflexion für den gesamten Lernprozess, von vor Beginn einer Veranstaltung bis zum Praxistransfer nach Ende einer Veranstaltung, aufgezeigt.

Im Kapitel sind 50 verschiedene Reflexionsmethoden umfassend beschrieben, die an die theoretischen Überlegungen des ersten Kapitels rückgebunden werden. Das dritte Kapitel bearbeitet detailliert dem Komplex (sinnvolle) Fragen in Reflexionsprozessen stellen und gelungene Kommunikation zur Anleitung und Begleitung von Reflexion.

Der zweite Teil des Kapitels thematisiert, wie verschiedene Denkmodelle (wie etwa TZI, Wertequadrat, Phasen der Teamentwicklung und Inneres Team) für die Reflexionsarbeit nutzbar gemacht werden können. Im abschließenden vierten Kapitel werden typische Probleme in Reflexionsprozessen thematisiert und Praxisbeispiele aus verschiedenen Bereichen (u.a. Aufgaben- und Rollenklärung, Führung) vorgestellt.

Auf den ersten Blick wirkt der Aufbau des Bandes etwas unübersichtlich. Bei näherer Beschäftigung überzeugt er jedoch gerade durch seinen umfassenden und facettenreichen Ansatz. Auch für erfahrene Lehrende bietet er durch seine Tiefe und seine Breite auf vielen Ebenen Anregungen, die zur Reflexion der eigenen Reflexionsarbeit über und in der Lehre einladen. Insbesondere die Verbindung bekannter Denkmodelle mit dem Thema Reflexion und die Ausführungen zum kommunikativen Verhalten Lehrender in Reflexionsprozessen haben aus meiner Sicht neben den Methodenbeschreibungen einen besonders hohen Nutzwert. Der Band ermöglicht in hohem Maße das eigene didaktische Handeln theoretisch zu fundieren und Reflexionsarbeit auf dieser Basis zielführend zu planen. Damit eignet er sich zum einen für Einsteiger in die Thematik, zum anderen aber auch als Nachschlagewerk für versierte Lehrende.

Die Reflektierbar

Die Methodensammlung „Reflektierbar“ besteht aus drei Teilen. In einer kurzen Einführung wird zunächst knapp auf die dem Reflexionsverständnis des Autors zu Grund liegenden Modelle, wie Gewaltfreie Kommunikation und das Riemann-Thomann Kreuz, verwiesen und zentrale Begriffe definiert.

Den Hauptteil des Buches bildet die eigentliche Methodensammlung. Hier werden insgesamt 100 Methoden für den Leser/die Leserin anschaulich aufbereitet. Neben einer Beschreibung werden u.a. Informationen zur geeigneten Gruppengröße, Grad der Teilnehmeraktivierung, benötigte Zeit, Material sowie Zielrichtung und erwartete Tiefe der Reflexion übersichtlich präsentiert. Ordnungsprinzip für die Methoden sind die eingesetzten Arbeitsformen: Reden, Schreiben, Zeichnen, Gestalten (dreidimensionaler Werke), Auswählen (etwa von Bildern oder Gegenständen), Quantifizieren, Aufstellen (im Sinne von Systemaufstellungen), Darstellen (etwa als Improtheater), Zuordnen (Verknüpfung von individueller Einschätzung und theoretischen Modellen) und Besinnen (ruhige Aktivierung).

Den Abschluss des Bandes bildet eine Zuordnung (im Sinne eines best of) der Methoden zu spezifischen Themen und Anlässen, etwa: ‚Zu Beginn des Seminars’, ‚Förderung der Nachhaltigkeit von Lernprozessen’ oder ‚parallel zur Veranstaltung mitlaufende Methoden’.

Die Methodensammlung vereint ein weites Spektrum (für mich) bekannter und neuer Methoden. Für klassische Lehrveranstaltungen, wie Vorlesungen, ist sicher nur ein kleiner Teil der Methoden geeignet; für Formate, die mit hoher Teilnehmeraktivierung arbeiten, bildet die Sammlung jedoch eine gute Fundgrube an Ideen. Besonders positiv ist der schnelle Zugriff über die best of Zuordnungen im dritten Teil des Bandes. Gerade wenn es darum geht, schnell für spezifische Situationen in Lehre und Weiterbildung passende Reflexionsmethoden zu finden, kann diese Einstiegsebene genutzt werden.

Der Band eignet sich gut als Nachschlagewerk für die Planung von Lehr-/Lerneinheiten. Der zielgerichtete Einsatz der Methoden setzt jedoch ein bereits bestehendes tieferes Verständnis für Lehr-/Lernprozesse und Gruppenprozesse voraus.

Je nach Interessenlage und Vorbildung der/des Lesenden können beide Bände vorbehaltlos empfohlen werden. Sollte sich die Käuferin/der Käufer zwischen den Bänden entscheiden müssen, würde ich auf Grund des umfassenderen Ansatzes zum Kauf von „Reflexion im Training“ raten.

+++Tobias Seidl+++

(Quelle: http://www.dghd.de/newsletter/dghd-aktuell_Newsletter_2_2016.pdf – Seite 21f)